st_ry-Video Folge 1: Das tägliche Ausspähen. (Oder: Warum Männer keinen Kredit kriegen.)

Ihr habt Daniel auf die Suche nach seinen Daten geschickt – er ist losgezogen. Für st_ry, Folge 1, um hinter die Kulissen des “Scoring” zu blicken. Also das kommerzielle und massenhafte Sammeln, Speichern und Auswerten persönlicher Daten. Das jeden Tag zigtausendfach stattfindet, ganz legal, und ganz schön intransparent.

Daniels erster Gesprächspartner: Alvar Freude. Eigentlich kein Unbekannter: Alvar war um die Jahrtausendwende schon Netzaktivist, als das Netz wirklich noch “Neuland” für alle war, er sitzt in der Bundestags-Enquetekommission “Internet und Digitale Gesellschaft”, er bietet auf seiner Website sein Know-How als Programmierer an. Trotzdem konnte sich die Commerzbank offenbar kein ausreichendes Bild über ihn machen: Sie verweigerte ihm hartnäckig die Ausgabe einer Kreditkarte – weil ihr Scoring-Dienstleister zu wenig über Alvar herausfand. (Komischer Typ!)

Scoring gehört einfach zu unserem Wirtschaftsleben dazu – sagt Michael Bretz. Als Sprecher der Creditreform nur zu verständlich: Die Firma ist eine der größten und ältesten Wirtschaftsauskunfteien Deutschlands. Dass die Mechanismen hinter einer negativen Auskunft wie bei Alvar Freude so intransparent sind wie eine finstere Winternacht im Banktresor, begründet er damit, dass die komplizierten Algorithmen ja eh keiner verstünde: “Das können Sie gar nicht nachvollziehen”, sie zu veröffentlichen, hätte logischerweise “gar keinen Sinn”.

Genau diese mangelnde Transparenz kritisiert aber Thilo Weichert, oberster Datenschützer für das Land Schleswig-Holstein. “Scoring birgt ein gewaltiges Diskriminierungsrisiko”, sagt er – weil doch nun wirklich nicht klar ist, dass ich meinen Dispo nicht ausgleiche, nur weil ich ein Mann bin, im Berliner Wedding wohne oder Migrationshintergrund habe. Das alles sind aber klassische Negativ-Faktoren im kommerziellen Scoring.

In der nächsten st_ry-Folge will Daniel den staatlichen Datensammlern auf die Pelle rücken: Alle Welt diskutiert grade über PRISM und die NSA, aber was staatliches Datensammeln schon heute für uns als Bürger bedeutet – das wäre uns eigentlich gerade wichtiger als der Visumsstempel auf Edward Snowdens Pass. Weil es uns angeht. Alle.

Für die nächsten spannenden Folgen st_ry brauchen wir aber noch dringend Deine Unterstützung. Nur noch bis zum 16. August 2013 kannst Du die Finanzierung sichern für st_ry – die ganze Doku-Reihe wird crowdfinanziert, also von Euch, also von all denen, die Daniels Thema wichtig finden. Sag es weiter! Diskutiere mit! Und unterstütze uns hier!

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10 Kommentare “st_ry-Video Folge 1: Das tägliche Ausspähen. (Oder: Warum Männer keinen Kredit kriegen.)

  1. Einhamburger sagt:

    Gelungener Auftakt, drücke die Daumen für viele viele Zuschauer und gute weitere Folgen!

  2. Gregor sagt:

    Hallo, ein schöner Auftakt. Wird denn die Schufa auch noch zu Wort kommen?

    Meine Erfahrungen mit dem Thema habe ich hier aufgeschrieben: http://www.debatare.de/meine-daten-gehoren-dir/

    • Hardy Roede sagt:

      Hi Gregor – vielen Dank für Deinen Link! Daniel hat auch bei der Schufa seine eigenen Daten angefordert, und vielleicht schauen wir dort auch in einer der kommenden Folgen nochmal vorbei.

  3. Stephan sagt:

    Hallo Daniel (und Team),
    vielen Dank für die erste Folge! ich mag den visuellen und textlichen Stil, das Thema ist natürlich schwierig und komplex. Insgesamt ein guter Auftakt, auch wenn mir Argumente wie “Das ist halt blöd.” oder “Das ist unbequem.” oder “Das will ich nicht.” eher seicht erscheinen.

    Es wäre schön, wenn ihr die ganzen Kommerzkonsequenzen ausleuchten könntet, die an einem (wie auch immer zu Stande gekommenen) Score dran hängen: Da kriegt man kein Giro-Konto seiner Wahl, keine Ratenzahlung, keinen Mietwagen, keinen Job, keine Mietwohnung. Aus die Maus. Und keine Chance auf “Resozialisierung”, wie man das jedenfalls von staatlichen Sanktionen kennt/kennen sollte. Wenn ihr diese Abwärtsspirale mit beleuchten tätet, wäre auch die Transparenz-Notwendigkeit deutlicher als das lediglich “Unbequeme” und “Komische” jetzt gerade.

    Ich drücke die Daumen für viele, viele Folgen!

    • Danke fürs Lob! So richtig schlimme Beispiele haben bei denen Scoring Existenzen zerstört hat, haben wir bis jetzt noch nicht gefunden. Es ist ja so, dass negative Einträge nach 5 Jahren gelöscht werden müssen, sagte mir zumindest der Creditreform-Mann. Also hat jeder die Chance auf einen Neu-Anfang, wenn er mal berechtigterweise zu einem miesen Kunden erklärt wurde.

  4. Ralph sagt:

    Schließe mich dem Lob an. Ein Kritikpunkt: mir waren die Interviews zu “kryptisch” geschnitten, d.h. häufig wurde mitten im Satz geschnitten und der Zusammenhang ging mir verloren. Wie Scoring funktioniert wurde mir nicht ganz klar, und wie das datenschutzrechtlich möglich ist bzw. wo hier angesetzt werden müsste auch nicht. Aber Video ist vielleicht auch nicht das Medium für komplexe Zusammenhänge. Ihr habt auf alle Fälle eine wichtige Sache beleuchtet, die in der ganzen Debatte selten thematisiert wird.