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Q&A aus Athen, Folge 1

Ihr habt uns auf die Folge 1 der zweiten Staffel von COMING OF RAGE aus Athen einige Fragen gestellt zu Maki und seiner Geschichte. Weil acht Minuten Reportage nicht alle Hintergründe erzählen können, beantworten wir ein paar Dinge noch mal in einem extra Questions & Answers für euch. Wenn ihr noch was wissen wollt, loben oder kritisieren wollt: Wir freuen uns über euer Feedback, auf Twitter, Facebook oder per Nachricht an hallo(at)stry.tv!

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Die neue Staffel COMING OF RAGE aus Athen, Folge 1 von 4

Passend zur aktuellen Berichterstattung rund um Griechenlands Schulden (#Grexit) schaut COMING OF RAGE jetzt auf die Leute, bei denen die ganzen abstrakten Zahlen ganz real im Alltag ankommen: Sammy Khamis hat in Athen junge Menschen getroffen, die ihren Job verloren haben und die Euro-Krise an jeder Ecke zu spüren bekommen. Er war bei den Autonomen im Viertel Exarchia und unterwegs mit solchen, die schwer abhängig von Heroin und Sisa sind. Und er bekam Antworten wie: “Der einzige Weg ist Widerstand.”

In Folge 1 trifft Sammy den 29-jährigen Maki, ein in klaren Momenten kluger Kopf, der aber heroinabhängig ist. Maki hat durch die Krise seine Jobs verloren und rutschte immer tiefer in den Drogensumpf. Inzwischen spritzt er sich regelmäßig Heroin und bezeichnet sich trotzdem selber als “clean junkie”. Warum? Das erfahrt ihr in Folge 1:

Ab heute gibt es auf www.stry.tv und auf Sueddeutsche.de jede Woche eine neue Folge aus Griechenland, wo unser Team vergangenen Sommer unterwegs war.

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Alle Folgen: COMING OF RAGE in Istanbul

COMING OF RAGE aus Istanbul ist jetzt komplett und ihr könnt euch alle Folgen zu den Fußball-Ultras von Çarşı ganz einfach hier nacheinander anschauen:

Bei den Gezi Protesten waren sie ganz vorne mit dabei. Sie haben sich gegen die Polizei gestellt, fleißig gegen die Bebauung des Gezi-Parks angesungen und auch gegen den Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan demonstriert. Für viele waren die Çarşı-Leute die “Retter der Revolution”. Jetzt sind sie deshalb angeklagt, der Vorwurf: Putschversuch.

Aber sie haben auch eine extreme Vergangenheit: Gegen ihre Erzfeinde von Fenerbahçe und Galatasaray haben sie mit Dönnermessern gekämpft. Bis in die 1990er haben sie sich bekriegt. Gegen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan haben sie sich jetzt vereinigt. Absolut ungewöhnlich, dass sie sich letztes Jahr gemeinsam gegen Erdoğan und den Umbau des Parkes gestellt haben. Sammy lässt sich von den Çarşı-Ultras durch ihr Viertel und ihre Vergangenheit führen. Denn, wer Çarşı checken will, der muss verstanden haben, was das Viertel Beşiktaş ausmacht:

Seit Gezi haben einige der Ultras Stadionverbot. Das ist noch milde im Gegensatz zu den Strafen bei einer Verurteilung derjenigen, die wegen der Proteste angeklagt wurden: Der worst case wären 35 Jahre Haft. Hunderte Beşiktaş Fans versammelten sich im Dezember vor dem Gericht. Der Prozess wurde jetzt auf den 2. April 2015 vertragt. Bis dahin haben die Angeklagten aber weiterhin Stadionverbot. Ein paar von den Çarşı Ultras, die noch ins Stadion dürfen, nehmen Sammy zu einem Spiel mit:

Çarşı ist nicht nur auf der Straße und im Stadion aktiv. Sie machen auch Blutspendeaktionen oder waren eine der ersten Helfergruppen vor Ort beim Grubenunglück von Soma – “Die größte Organisation in der Türkei” eben, wie es Ayhan sagt. Er war dabei, als die Regierung in den 80er Jahren versucht hat, das politische Aufbäumen der Jugend zu zerschlagen. “Vor allem die Jugendlichen haben sie [die türkische Militärregierung nach dem Putsch von 1982] vom Fußball überzeugt. Mit dem Ziel, dass sie nicht politisch aktiv werden.”

Çarşı ist für viele also nicht nur einer der lautesten Fußball-Ultragruppen, sondern auch Anführer der Gezi-Proteste und die größte NGO in der Türkei. Aber welchen Einfluss haben sie auf die große Politik? Und wie hat sich Çarşı selbst verändert – seit Gezi und seit dem Friedensvertrag, den die drei Istanbuler Fan-Vereine geschlossen haben? Ayhan, einer der Çarşı-Gründer, spricht über die neue Generation und darüber, dass die Demokratie in der Türkei am Boden ist.

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Folge 5 von 5: Çarşı – Sieg im Fußball, Unentschieden in der Politik

In der letzten Folge von COMING OF RAGE aus Istanbul spricht Sammy mit Ayhan, einem der Gründer von “Çarşı”. Für die Zukunft der Türkei sieht Ayhan schwarz: “[...] jemand, der die Demokratie nicht verinnerlichen kann, der benutzt sie als Schmuck. Für den ist Demokratie kein Zweck, sondern ein Mittel.” 

Mit Folge 5 beenden wir Sammys Istanbul-Reise, bei der er mit den Fußball-Ultras der “Çarşı” von Beşiktaş Istanbul unterwegs war – im Stadion und im Viertel von Beşiktaş. Sammy hat mit ihnen über ihr soziales Engagement gesprochen und viel über die früheren Straßenkämpfe – Dönermesser inklusive – erfahren.

Beeindruckt hat Sammy das Gespräch mit Çarşi-Gründer Ayhan. Der coole Typ mit Sonnenbrille erklärt, was sich bei “Çarşı” in den letzten Jahren verändert hat, wie die Organisation sich heute sieht und vor allem, warum sie das tut, was sie tut. Ayhan wurde wegen der Gezi-Proteste angeklagt, ihm wird Putschversuch vorgeworfen. Und dann wird auch der coolste Typ irgendwie menschlich. Ayhan macht sich ernsthaft Sorgen um sein Land.

 

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Folge 4 von 5: Çarşı – Die “größte NGO in der Türkei”

Zwischen den Istanbuler Fußball-Ultras von Çarşı Beşiktaş und der türkischen Politik bleibt auch im neuen Jahr alles beim Alten: Die Fußball-Fans schimpfen auf die Regierung (und vor allem auf den Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan) – und die türkischen Beamten versuchen weiter, gegen die Ultras vorzugehen. Das Gerichtsverfahren gegen 35 Çarşı Ultras, u.a. wegen Putschversuch, wurde auf April 2015 vertagt. Die Stadionverbote und die restriktive Einlasskontrolle bei Ligaspielen aber bleiben.

Zu internationalen Spielen müssen die Fans – im Gegensatz zur heimischen Liga  - nicht Sitzplatz, Wohnort und Handynummer angeben. Man kann sich ein Ticket kaufen und ins Stadion fahren. Als wir im Sommer in Istanbul waren, haben uns Ekin und Senol (nach der Ansage des ebenfalls angeklagten Çarşı-Babos Ayhan, der Stadionverbot hat) mitgenommen ins Stadion zur Championsleague-Qualifikation gegen Feyenoord Rotterdam. Wobei – viel gesehen haben die Çarşı-Leute nicht: Wer echter Ultra ist, der sorgt sich um die Fans, nicht um das Spiel. 90 Minuten über wird angesagt, was zu singen ist, wer welchen Slogan schreit etc. So eine Fankurve will organisiert sein. Das hilft eben auch bei den Protesten. Die sind heute, zumindest wenn Çarşı mitläuft, nicht mehr “nur links, wie in den 80er Jahren.” Das zu betonen ist dem Fotojournalisten und Fußball-Ultra Levent wichtig.

 

 

Fußball damit die Jugend nicht politisch wird

Çarşı ist nicht nur auf der Straße und im Stadion aktiv. Sie machen auch Blutspendeaktionen oder waren eine der ersten Helfergruppen vor Ort beim Grubenunglück von Soma – “Die größte Organisation in der Türkei” eben, wie es Ayhan sagt.

Es gehe eben um Demokratie und Mitbestimmung, meint Ayhan weiter. Auch wenn das in dem männlichen Haufen von sehr breiten Fußballerschultern nicht immer leicht zu erkennen ist. Ayhan war dabei, als die Regierung in den 80er Jahren versucht hat, das politische Aufbäumen der Jugend zu zerschlagen. “Vor allem die Jugendlichen haben sie [die türkische Militärregierung nach dem Putsch von 1982] vom Fußball überzeugt. Mit dem Ziel, dass sie nicht politisch aktiv werden.”

Damals hat man sich wohl gedacht: “Lass sie im Stadion schreien, dann schreien sie auf der Straße nicht gegen dich.” Heute ist das anders. Und spätestens seit am 16. Dezember vor dem Gerichtssaal hunderte Fans gegen die Regierung angeschrien haben ist klar, dass die Çarşı-Leute ihr COMING OF RAGE leben.

 

Folge 3 von 5: Çarşı – Politik auf dem Weg zum Stadion

Folge 2 von 5: Çarşı – Vom Krieg zum Protest

Folge 1 von 5: Çarşı – Die Retter der Revolution?

 

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Folge 3 von 5: Çarşı – Politik auf dem Weg zum Stadion

Seit dem 16.Dezember wird es eng für die Ultras von Çarşı: Ihnen wurde in Istanbul der Prozess gemacht. Die Anklage lautete Teilnahme an den Protesten vom Gezi Park im Sommer 2013 mit dem Ziel: Putschversuch gegen die Regierung Erdogan. Der worst case für die Ultras wäre eine Verurteilung zu 35 Jahren Haft. Hunderte Beşiktaş Fans versammelten sich vor dem Gericht. Der Prozess wurde jetzt auf den 2. April 2015 vertragt. Bis dahin haben die Angeklagten aber weiterhin Stadionverbot. Ein paar von den Çarşı Ultras, die noch ins Stadion dürfen, haben uns zu einem Spiel mitgenommen: 

Für viele Ultras ist Fußball das wichtigste im Leben. Für einige auch das einzige. Strange ist es trotzdem, wenn sie ins Stadion gehen und die ganze Zeit mit dem Rücken zum Spiel stehen. Das kann man als Realitätsverweigerung bezeichnen, aber es ist hat andere Gründe. In der nächsten Folge seht ihr, wie man 90 Minuten nicht aufs Feld starrt, auch wenn es um die Champions-League Quali geht, und wieso man bei Çarşı die Baseballschläger heute lieber im Auto lässt anstatt sie ins Stadion mitzunehmen.

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Folge 2 von 5: Çarşı – Vom Krieg zum Protest

Die Fußball-Ultras von Çarşı haben eine extreme Vergangenheit: Sie haben früher mit Dönermessern gegen ihre Erzfeinde von Fenerbahçe und Galatasaray gekämpft. Absolut ungewöhnlich also, dass sich die drei verfeindeten Gruppen letztes Jahr alle gemeinsam gegen Erdogan und den Umbau des Parkes gestellt haben. In Folge 2 nehmen wir euch mit in die Vergangenheit von Çarşı und lassen euch den Flavour von Beşiktaş spüren.

Beşiktaş ist ein Viertel auf der europäischen Seite Istanbuls. Das merkt man. Die Leute trinken auf der Straße Alkohol, der Bürgermeister ist von der Oppositionspartei CHP. Wer Çarşı checken will, der muss verstanden haben, was Beşiktaş ausmacht.

In dem Viertel hat jeder seinen Platz, auch Çarşı. Die Ultra-Gruppe vermittelt hier auch Wohnungen an alleinerziehende Frauen. Und auch der Fanartikel-Verkäufer Tuncay (ja, sein Nachname ist:) Wirbelwind sagt: “Die Besonderheit ist, dass es unser Viertel ist, unser Herz. Vor allem anderen ist es unser Leben. Der Ort, an dem wir geboren sind, wo unsere Seele ist. Plakate von Erdogan findest Du hier nicht. Das wäre unmöglich. Wenn du durch Istanbul gelaufen bist und aufgepasst hast, weißt Du: das hier ist ein besonderer Ort.”

Wissen wir mittlerweile. Deswegen ziehen wir weiter mit. In Folge 3 dann Richtung Stadion.