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Liebe Fans, liebe Unterstützer, liebe Datenschutz-Besorgte, Crowdfunder, Blog-Leser und Blogger, liebe Medienleute, Interessierte, Freunde, Kritiker und Vorbeischauer, liebe alle –

Es hat leider nicht gereicht. Trotz Eures großen Interesses am Projekt st_ry, trotz Eurer finanziellen Unterstützung, Eurer Blogposts, Eurer Tweets und Artikel haben wir deutlich die Marke von 42.000 Euro verfehlt, die wir zur Realisation von st_ry als Crowdfunding-Projekt gebraucht hätten.

Wir haben es nicht geschafft, genügend Menschen davon zu überzeugen, dass unser Thema für jeden in diesem Land sehr wichtig ist, und dass bei unserem offenen journalistischen Prozess etwas Neues, Großartiges herauskommen kann. Schade – aber: wenigstens haben wir’s versucht.

Eure eingezahlten Finanzierungs-Beiträge werdet Ihr via Startnext in den nächsten Tagen zurückerstattet bekommen. Unser Rechercheblog bleibt noch auf einen Drink länger: Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen das, was es zu ersten Folge noch zu erzählen gibt, weiter hier posten und mit Euch diskutieren.

Enttäuschter Reporter ist enttäuscht.

Enttäuschter Reporter ist enttäuscht.

Weil uns die erste st_ry-Folge eigentlich recht gut gefallen hat (und vielen Zuschauern ja auch), werden wir jetzt versuchen, unsere glante Reihe auf einem anderen Weg noch Wirklichkeit werden zu lassen. Ob, wann und wie das klappt, wissen wir noch nicht. Schön wär’s auf jeden Fall, liebe Crowd, wenn wir die spannende Recherche und die gute Diskussion mit Euch irgendwann fortsetzen können.

Wir danken sehr herzlich für Eure Unterstützung.

Viele Grüße,

Euer st_ry-Team

Ben [Screengrafik + SFX]
Bulli [Logo- und Grafik-Design]
Christoph [Redaktion]
Daniel [Reporter]
Felix [Ko-Produzent]
Hakan [Redakteur]
Hardy [Produzent]
Henrik [Text & Konzept]
Mareike [Redaktion]
Marianna [Projektmanagement]
Michi [Produzent]
Sebastian [Autor, Kamera, Schnitt]

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Unboxing Daniels Selbstauskunft (plus dummes Gesicht)

Nachdem ich bei Alvar gesehen hatte, wie ein mieser Score (oder gar keine vorhandenen Daten) zu miesen Ärgerlichkeiten und Diskriminierung (wenn man es so nennen will) führen kann, wollte ich selber wissen, was Datensammel-Firmen so über mich wissen.

Über selbstauskunft.net habe ich bei 20 Firmen angefragt, welche Informationen sie über mich haben. Ein paar Tage später trudelten die Briefumschläge ein. Hier das (vorläufige) Ergebnis:

Nachdem ich das Video fertig hatte, trudelte auch mein Schufa-Score ein. Die Firma findet mich superduper und hält mich für einen geilen Kunden – aber verrät mir auch nicht, wie sie darauf kommt.

Daniel freut sich, aber ist nachdenklich

Ich bin ein toller Kunde, sagt die Schufa. Aber woher weiß sie das?

Das Ganze wird noch skurriler, wenn man bedenkt, dass mich die accumio finance service GmbH für einen nur mittelguten Kunden hält. Wieder: Wie kommen sie nur darauf und warum kommen sie zu einem ganz anderen Ergebnis als die Schufa?

Aus den Daten, die sie mir schicken werde ich jedenfalls nicht schlau:

So sieht eine Schufa-Selbstauskunft aus.

So sieht eine Schufa-Selbstauskunft aus.

Die ersten Selbstaufkünfte waren schnell, derzeit warte ich jedoch noch auf Rückmeldungen von 11 der 20 angefragten Firmen:

  1. Acxiom Deutschland GmbH
  2. Arvato Infoscore GmbH
  3. Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG
  4. CEG Creditreform Consumer GmbH
  5. Deltavista GmbH
  6. Global Group Dialog Solutions AG
  7. IHD Service GmbH
  8. microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH
  9. QUADRESS GmbH
  10. Regis24 GmbH
  11. Schober Information Group Deutschland Gmbh

Bin gespannt, ob da noch was kommt oder ob ich da ne Mahnung hinterher jagen muss… :-/

 

 

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Mächtig, aber kamerascheu: Ein Interview mit arvato infoscore

Wer sich mit Scoring beschäftigt, stolpert schnell über arvato infoscore. Die Tochterholding der Bertelsmanngruppe gehört zu den größten Auskunfteien in Deutschland und ist damit einer der größten Player im Scoring. Wir haben um ein Interview gebeten und es bekommen – wenn auch nur schriftlich und nicht mehr rechtzeitig für den Dreh der ersten Folge.

Bei unserer Recherche für die erste Folge zum Thema Scoring haben wir auch bei arvato infoscore angefragt. Für ein persönliches Interview hätten wir  Daniel nur zu gern nach Baden-Baden geschickt, aber ein Besuch von unserem Reporter wurde uns leider verwehrt. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, ein paar Fragen an arvato infoscore loszuwerden. Deshalb nahmen wir das Angebot von Frau Schieler (Contentmanagement arvato infoscore), ein schriftliches Interview zu führen, an.

Das Interview mit arvato infoscore: Hier weiterlesen!

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McCarthy lässt grüßen: USA verdächtigen jeden, der seine Daten schützen will

Die USA drehen komplett frei: Das FBI hat das Anonymisierung-Netzwerk TOR angegriffen und zehntausenden Nutzern einen Virus auf die Rechner gespielt, um sie identifizieren zu können.

Die FAZ schreibt:

Das Vorgehen ist ein Präzedenzfall. Das FBI hat offenbar mit einem Schrotflinten-Ansatz die Computer zehntausender Anonymisierungs-Nutzer weltweit mit einer behördlichen Schadsoftware gehackt, um sie identifizieren zu können. Eine anwendbare Rechtsgrundlage gibt es dafür nicht, der Zweck heiligte die Mittel: Ein Vorgehen jenseits des Rechtsrahmens scheint im Netz langsam Usus zu werden.

Wie war das nochmal? Was wiederholen unsere Politiker seit Jahren, wenn es um Raubkopien und andere schlimme Netz-Dinge geht? “Das Netz darf kein rechtsfreier Raum sein!” Scheint die Geheimdienste (Oh Überraschung!) nicht zu interessieren.

US-Behörden drehen komplett frei. What. The. Fuck.

Und dann wird heute noch bekannt, dass zwei Anbietern von verschlüsselten Email-Diensten auf Druck der US-Regierung zumachen müssen. Einen davon soll Edward Snowden benutzt haben. Wer verschlüsselt kommuniziert kann nämlich nur böse sein.

Bin gespannt, wann die USA Treffen im Park, Gespräche im Wohnzimmer und Notizzettel verbieten. Am besten weltweit.

Das Ganze erinnert mich an die Kommunisten-Jagd der McCarthy-Ära. Die Panikmache, die Angst, die Versuche mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben ist dieselbe. Nur der “Feind” hat sich geändert. 

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Wie es mit Alvar weiter ging: Post von der Commerzbank

In der ersten Folge von st_ry hat Daniel hinter die Kulissen von “Scoring” geschaut und dabei Alvar Freude getroffen. Der hat wie viele andere auch schlechte Erfahrungen mit Scoring gemacht. Wir versprachen ihm, der Sache auf den Grund zu gehen und haben inzwischen Post bekommen.

Daniels erster Gesprächspartner war der Netzaktivist Alvar Freude. Und auch wenn er eigentlich kein Unbekannter ist – denn Alvar sitzt in der Bundestags-Enquetekommission “Internet und Digitale Gesellschaft” und betreibt eine Website  – verweigerte ihm die Commerzbank die Ausgabe einer Kreditkarte. Deren Scoring-Dienstleister fand scheinbar zu wenig über ihn heraus und das wirkte sich negativ auf Alvars Bewertung aus.

Nach dem Gespräch mit Alvar schrieb Daniel eine Mail an die Commerzbank, um nachzuhaken, wo eigentlich genau das Problem lag. Drei Tage später, am vergangenen Freitag, erhielten wir dann auch schon eine Antwort von Michael Machauer, Pressesprecher der Commerzbank AG.

Alle Antworten der Commerzbank, Alvar keine Kreditkarte zu geben: Hier weiterlesen!

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st_ry-Video Folge 1: Das tägliche Ausspähen. (Oder: Warum Männer keinen Kredit kriegen.)

Ihr habt Daniel auf die Suche nach seinen Daten geschickt – er ist losgezogen. Für st_ry, Folge 1, um hinter die Kulissen des “Scoring” zu blicken. Also das kommerzielle und massenhafte Sammeln, Speichern und Auswerten persönlicher Daten. Das jeden Tag zigtausendfach stattfindet, ganz legal, und ganz schön intransparent.

Daniels erster Gesprächspartner: Alvar Freude. Eigentlich kein Unbekannter: Alvar war um die Jahrtausendwende schon Netzaktivist, als das Netz wirklich noch “Neuland” für alle war, er sitzt in der Bundestags-Enquetekommission “Internet und Digitale Gesellschaft”, er bietet auf seiner Website sein Know-How als Programmierer an. Trotzdem konnte sich die Commerzbank offenbar kein ausreichendes Bild über ihn machen: Sie verweigerte ihm hartnäckig die Ausgabe einer Kreditkarte – weil ihr Scoring-Dienstleister zu wenig über Alvar herausfand. (Komischer Typ!)

Scoring gehört einfach zu unserem Wirtschaftsleben dazu – sagt Michael Bretz. Als Sprecher der Creditreform nur zu verständlich: Die Firma ist eine der größten und ältesten Wirtschaftsauskunfteien Deutschlands. Dass die Mechanismen hinter einer negativen Auskunft wie bei Alvar Freude so intransparent sind wie eine finstere Winternacht im Banktresor, begründet er damit, dass die komplizierten Algorithmen ja eh keiner verstünde: “Das können Sie gar nicht nachvollziehen”, sie zu veröffentlichen, hätte logischerweise “gar keinen Sinn”.

Genau diese mangelnde Transparenz kritisiert aber Thilo Weichert, oberster Datenschützer für das Land Schleswig-Holstein. “Scoring birgt ein gewaltiges Diskriminierungsrisiko”, sagt er – weil doch nun wirklich nicht klar ist, dass ich meinen Dispo nicht ausgleiche, nur weil ich ein Mann bin, im Berliner Wedding wohne oder Migrationshintergrund habe. Das alles sind aber klassische Negativ-Faktoren im kommerziellen Scoring.

In der nächsten st_ry-Folge will Daniel den staatlichen Datensammlern auf die Pelle rücken: Alle Welt diskutiert grade über PRISM und die NSA, aber was staatliches Datensammeln schon heute für uns als Bürger bedeutet – das wäre uns eigentlich gerade wichtiger als der Visumsstempel auf Edward Snowdens Pass. Weil es uns angeht. Alle.

Für die nächsten spannenden Folgen st_ry brauchen wir aber noch dringend Deine Unterstützung. Nur noch bis zum 16. August 2013 kannst Du die Finanzierung sichern für st_ry – die ganze Doku-Reihe wird crowdfinanziert, also von Euch, also von all denen, die Daniels Thema wichtig finden. Sag es weiter! Diskutiere mit! Und unterstütze uns hier!

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Warum Daten diskriminieren können (und was die NSA mit Scoring zu tun hat)

Eigentlich sollte es klar sein, dass Datenschützer Scoring nicht gut heißen. Per se gegen Datenverarbeitung zu sein – das scheint oberflächlich betrachtet ihr Job zu sein. Thilo Weichert konnte mir aber sehr gute Gründe nennen, warum er das so sieht.

Das Interview am Donnerstag mit Thilo Weichert, dem Datenschutzbeauftragten des „Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz“ war nicht nur äußerst angenehm, sondern auch für mich sehr erhellend. Nach dem Interview mit dem sehr clever argumentierenden Creditreform-Pressesprecher am Dienstag, hatte ich öfter diese „Hmm, ist Scoring wirklich so schlimm?“-Gedanken. Gute Pressesprecher können einen ganz schön ins Zweifeln bringen, ob die gerade entwickelte Haltung nicht vielleicht doch die falsche ist. Chapeau, Herr Bretz!

“Scoring muss transparent sein”

Thilo Weichert lieferte allerdings die passenden Gegenargumente zu Creditreform. Scoring, meinte er, sei nicht per se schlecht. Allerdings müsse man genau schauen, welches Verfahren mit welchen Daten zu welchem Ergebnis kommt. Und genau das sei die Crux: „Die Firmen sind nicht transparent. Man erfährt nichts darüber, wo sie welche Daten her haben, was sie damit machen und warum sie zu dem Ergebnis kommen, das sie dann ausspucken.“

Gute Laune, trotz Überwachung und Scoring: Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert

Gute Laune, trotz Überwachung und Scoring: Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert

Das Argument von Creditreform, dass die Formeln doch eh keiner verstehen würde, lässt er nicht gelten: „Klar, das ist eine Sache für Wissenschaftler, aber auch die muss transparent und nachvollziehbar sein. Die anderen Sachen muss aber jeder wissen und verstehen können“.

Am schlimmsten für ihn ist aber die „Diskrimierung“, die durch Scoring stattfinde. Ich stutzte bei dem Wort innerlich erstmal. Hatte mir nicht Creditrefom-Bretz gerade noch vorgeschwärmt, dass Scoring viel objektiver sei, weil der schlecht gelaunte Bankangestellte einem nicht wegen eines häßlichen Anzugs den Kredit verweigern würde? Wie können dann Daten diskrimieren?

Was Daten mit Diskriminierung zu tun haben, lest ihr nach dem *klick*