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McCarthy lässt grüßen: USA verdächtigen jeden, der seine Daten schützen will

Die USA drehen komplett frei: Das FBI hat das Anonymisierung-Netzwerk TOR angegriffen und zehntausenden Nutzern einen Virus auf die Rechner gespielt, um sie identifizieren zu können.

Die FAZ schreibt:

Das Vorgehen ist ein Präzedenzfall. Das FBI hat offenbar mit einem Schrotflinten-Ansatz die Computer zehntausender Anonymisierungs-Nutzer weltweit mit einer behördlichen Schadsoftware gehackt, um sie identifizieren zu können. Eine anwendbare Rechtsgrundlage gibt es dafür nicht, der Zweck heiligte die Mittel: Ein Vorgehen jenseits des Rechtsrahmens scheint im Netz langsam Usus zu werden.

Wie war das nochmal? Was wiederholen unsere Politiker seit Jahren, wenn es um Raubkopien und andere schlimme Netz-Dinge geht? „Das Netz darf kein rechtsfreier Raum sein!“ Scheint die Geheimdienste (Oh Überraschung!) nicht zu interessieren.

US-Behörden drehen komplett frei. What. The. Fuck.

Und dann wird heute noch bekannt, dass zwei Anbietern von verschlüsselten Email-Diensten auf Druck der US-Regierung zumachen müssen. Einen davon soll Edward Snowden benutzt haben. Wer verschlüsselt kommuniziert kann nämlich nur böse sein.

Bin gespannt, wann die USA Treffen im Park, Gespräche im Wohnzimmer und Notizzettel verbieten. Am besten weltweit.

Das Ganze erinnert mich an die Kommunisten-Jagd der McCarthy-Ära. Die Panikmache, die Angst, die Versuche mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben ist dieselbe. Nur der „Feind“ hat sich geändert. 

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Wie es mit Alvar weiter ging: Post von der Commerzbank

In der ersten Folge von st_ry hat Daniel hinter die Kulissen von „Scoring“ geschaut und dabei Alvar Freude getroffen. Der hat wie viele andere auch schlechte Erfahrungen mit Scoring gemacht. Wir versprachen ihm, der Sache auf den Grund zu gehen und haben inzwischen Post bekommen.

Daniels erster Gesprächspartner war der Netzaktivist Alvar Freude. Und auch wenn er eigentlich kein Unbekannter ist – denn Alvar sitzt in der Bundestags-Enquetekommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ und betreibt eine Website  – verweigerte ihm die Commerzbank die Ausgabe einer Kreditkarte. Deren Scoring-Dienstleister fand scheinbar zu wenig über ihn heraus und das wirkte sich negativ auf Alvars Bewertung aus.

Nach dem Gespräch mit Alvar schrieb Daniel eine Mail an die Commerzbank, um nachzuhaken, wo eigentlich genau das Problem lag. Drei Tage später, am vergangenen Freitag, erhielten wir dann auch schon eine Antwort von Michael Machauer, Pressesprecher der Commerzbank AG.

Alle Antworten der Commerzbank, Alvar keine Kreditkarte zu geben: Hier weiterlesen!

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st_ry-Video Folge 1: Das tägliche Ausspähen. (Oder: Warum Männer keinen Kredit kriegen.)

Ihr habt Daniel auf die Suche nach seinen Daten geschickt – er ist losgezogen. Für st_ry, Folge 1, um hinter die Kulissen des „Scoring“ zu blicken. Also das kommerzielle und massenhafte Sammeln, Speichern und Auswerten persönlicher Daten. Das jeden Tag zigtausendfach stattfindet, ganz legal, und ganz schön intransparent.

Daniels erster Gesprächspartner: Alvar Freude. Eigentlich kein Unbekannter: Alvar war um die Jahrtausendwende schon Netzaktivist, als das Netz wirklich noch „Neuland“ für alle war, er sitzt in der Bundestags-Enquetekommission „Internet und Digitale Gesellschaft“, er bietet auf seiner Website sein Know-How als Programmierer an. Trotzdem konnte sich die Commerzbank offenbar kein ausreichendes Bild über ihn machen: Sie verweigerte ihm hartnäckig die Ausgabe einer Kreditkarte – weil ihr Scoring-Dienstleister zu wenig über Alvar herausfand. (Komischer Typ!)

Scoring gehört einfach zu unserem Wirtschaftsleben dazu – sagt Michael Bretz. Als Sprecher der Creditreform nur zu verständlich: Die Firma ist eine der größten und ältesten Wirtschaftsauskunfteien Deutschlands. Dass die Mechanismen hinter einer negativen Auskunft wie bei Alvar Freude so intransparent sind wie eine finstere Winternacht im Banktresor, begründet er damit, dass die komplizierten Algorithmen ja eh keiner verstünde: „Das können Sie gar nicht nachvollziehen“, sie zu veröffentlichen, hätte logischerweise „gar keinen Sinn“.

Genau diese mangelnde Transparenz kritisiert aber Thilo Weichert, oberster Datenschützer für das Land Schleswig-Holstein. „Scoring birgt ein gewaltiges Diskriminierungsrisiko“, sagt er – weil doch nun wirklich nicht klar ist, dass ich meinen Dispo nicht ausgleiche, nur weil ich ein Mann bin, im Berliner Wedding wohne oder Migrationshintergrund habe. Das alles sind aber klassische Negativ-Faktoren im kommerziellen Scoring.

In der nächsten st_ry-Folge will Daniel den staatlichen Datensammlern auf die Pelle rücken: Alle Welt diskutiert grade über PRISM und die NSA, aber was staatliches Datensammeln schon heute für uns als Bürger bedeutet – das wäre uns eigentlich gerade wichtiger als der Visumsstempel auf Edward Snowdens Pass. Weil es uns angeht. Alle.

Für die nächsten spannenden Folgen st_ry brauchen wir aber noch dringend Deine Unterstützung. Nur noch bis zum 16. August 2013 kannst Du die Finanzierung sichern für st_ry – die ganze Doku-Reihe wird crowdfinanziert, also von Euch, also von all denen, die Daniels Thema wichtig finden. Sag es weiter! Diskutiere mit! Und unterstütze uns hier!

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Warum Daten diskriminieren können (und was die NSA mit Scoring zu tun hat)

Eigentlich sollte es klar sein, dass Datenschützer Scoring nicht gut heißen. Per se gegen Datenverarbeitung zu sein – das scheint oberflächlich betrachtet ihr Job zu sein. Thilo Weichert konnte mir aber sehr gute Gründe nennen, warum er das so sieht.

Das Interview am Donnerstag mit Thilo Weichert, dem Datenschutzbeauftragten des „Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz“ war nicht nur äußerst angenehm, sondern auch für mich sehr erhellend. Nach dem Interview mit dem sehr clever argumentierenden Creditreform-Pressesprecher am Dienstag, hatte ich öfter diese „Hmm, ist Scoring wirklich so schlimm?“-Gedanken. Gute Pressesprecher können einen ganz schön ins Zweifeln bringen, ob die gerade entwickelte Haltung nicht vielleicht doch die falsche ist. Chapeau, Herr Bretz!

„Scoring muss transparent sein“

Thilo Weichert lieferte allerdings die passenden Gegenargumente zu Creditreform. Scoring, meinte er, sei nicht per se schlecht. Allerdings müsse man genau schauen, welches Verfahren mit welchen Daten zu welchem Ergebnis kommt. Und genau das sei die Crux: „Die Firmen sind nicht transparent. Man erfährt nichts darüber, wo sie welche Daten her haben, was sie damit machen und warum sie zu dem Ergebnis kommen, das sie dann ausspucken.“

Gute Laune, trotz Überwachung und Scoring: Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert

Gute Laune, trotz Überwachung und Scoring: Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert

Das Argument von Creditreform, dass die Formeln doch eh keiner verstehen würde, lässt er nicht gelten: „Klar, das ist eine Sache für Wissenschaftler, aber auch die muss transparent und nachvollziehbar sein. Die anderen Sachen muss aber jeder wissen und verstehen können“.

Am schlimmsten für ihn ist aber die „Diskrimierung“, die durch Scoring stattfinde. Ich stutzte bei dem Wort innerlich erstmal. Hatte mir nicht Creditrefom-Bretz gerade noch vorgeschwärmt, dass Scoring viel objektiver sei, weil der schlecht gelaunte Bankangestellte einem nicht wegen eines häßlichen Anzugs den Kredit verweigern würde? Wie können dann Daten diskrimieren?

Was Daten mit Diskriminierung zu tun haben, lest ihr nach dem *klick*

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Wie Scoring daneben gehen kann

Alvar Freude ist im Netz bekannt als Aktivist des (zur Zeit eher inaktiven) AK Zensur und meinungsstarker Blogger. Hauptberuflich hat er es mit Computern, Programmieren und Datenbanken zu tun – all das zusammen ergibt einen Menschen, der mit seinen Daten eher sparsam umgeht. Genau das wurde ihm zum Verhängnis.

Als Alvar sich nämlich letztes Jahr eine Bahncard 100 kaufte, bot ihm die Bahn eine kostenlose Kreditkarte dazu an. Diese kostet normalerweise ein paar Euro im Jahr, für ihn sollte sie umsonst sein.

So sehen miese Kunden aus. Meint die Commerzbank.

So sehen miese Kunden aus. Meint die Commerzbank.

„Da dachte ich mir, dass das doch ganz praktisch für das Geschäftskonto sein könnte“, erzählt mir Alvar, als wir uns auf seiner Couch in seiner Wohnung in Stuttgart niedergelassen haben. Als Selbstständiger hat er zwei Konten, für das Privatkonto gab es schon länger eine Kreditkarte, aber halt geschäftlich noch nicht. Antrag ausgefüllt, eingeschickt. Fertig. Dachte er.

Doch die Commerzbank, die mit der Deutschen Bahn bei diesem Angebot zusammen arbeitet, verweigert ihm überraschenderweise die Karte. Die Erklärung: Er hätte zwar keine negative Schufa-Auskunft, aber die anderen Daten, die man über ihn habe hätten ergeben: Alvar sei wahrscheinlich ein mieser Kunde. Hohes Ausfallrisiko. Danke, aber Nein Danke. Auf Wiedersehen.

Die wahren Gründe der Commerzbank, Alvar keine Kreditkarte zu geben: Hier weiterlesen!

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Wie das „Guter Kunde, schlechter Kunde“-Spiel funktioniert

Der erste st_ry-Dreh hat uns gestern nach Neuss gespült, wo in einem unscheinbaren Industriegebiet die Firma Creditreform sitzt. Die setzen ca 500 Mio im Jahr damit um, dass sie mit ihren Mitgliedern das „Guter Kunde, schlechter Kunde“-Spiel spielen. 

Das Spiel geht so: Die Spieler sagen dem Spielleiter (Creditrefom) mit welchem Unternehmen oder Privatmenschen sie gute und weniger gute Erfahrungen gemacht haben. Parallel sucht der Spielleiter bei den potentiellen Kunden nach (öffentlich zugänglichen) Pech-Kärtchen, auf denen steht, dass sie kein Geld mehr haben, eine Privatinsolvenz beantragt haben oder anderweitig in finanziellen Schwierigkeiten stecken

Big Player im Scoring-Spiel: Creditrefom in Neuss

Big Player im Scoring-Spiel: Creditrefom in Neuss

Außerdem sucht der Spielleiter parallel nach anderen Informationen wie Wohnort, Alter, Geschlecht etc, die eventuell vielleicht etwas darüber aussagen könnten, wie zahlungsfreudig und solvent ein Mensch ist.

Diese Informationen wirft der Spielleiters dann in seine Rechenzauberkiste und mit Hilfe einer geheimen Formel berechnet diese dann einen Wert für den Kunden – den Score (ist natürlich auf englisch, weil es professioneller klingt). Je besser der Score, desto Hurra!

Für die ganze Spielanleitung: Hier klicken!

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Geht los: Ab morgen
drehen wir Folge 1!

Seit über einem Monat kein Update mehr im Blog und wenig los auf Twitter und Facebook: Die ersten besorgten Kommentare gab es bereits, ob wir das Projekt eingestampft hätten? Nein, haben wir nicht! Und noch besser: nach der kurzen Verschnaufpause geht’s jetzt wirklich los: Wir produzieren die erste Folge. Komme, was wolle!

Zugeben: Die erste Funding-Runde hat uns alle etwas erschöpft. Und als diese dann nicht-erfolgreich zuende ging, wir aber dankenswerterweise verlängern durften, brauchten wir alle erstmal kurz ne Zigarette und einen Kaffee. Die einen holten sich den in Italien, die anderen in Brasilien und ich auf Zypern und an der Ostsee. Doch weil wir zum Glück mehr als einer sind, haben wir im Hintergrund die Recherchemaschine wieder angeschmissen und setzen jetzt die erste Folge um. Damit ihr seht, was wir vorhaben. Ziel: Funding reißen!

Gut gelauntes Team bespricht den Dreh im gut gelaunten Hangout

Gut gelauntes Team bespricht die Drehs im gut gelaunten Hangout

Scoring oder Ich weiß, wo Du wohnst!

Nachdem wir uns in der ersten Rechercherunde durch die verschiedenen Themenfelder des Datenschutz-Ackers gewühlt haben, um einen groben Überblick zu bekommen, haben wir uns dazu entschlossen, uns zunächst dem Thema „(Kredit-)Scoring“ genauer zu widmen. Was ist das? Wie geht das? Und welche Konsequenzen kann das haben?

Die Antwort und zu wem wir alle hinfahren: Klickst Du hier!